Test Gurtsystem Sun-Sniper Double Plus Harness

9 10 2010

Die Firma California Sunbounce hat mir freudlicherweise für einen Monat das Gurt-System “Sun Sniper Double Plus Harness” – oder kurz DHP für einen Test

inkl. Bericht zur Verfügung gestellt.

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Es handelt sich um ein Gurtsystem mit Schnellzugriff für zwei Spiegelreflex-Kameras. Der DHP ist mit Schulterpolstern, Zugentlastung, Diebstahlsicherung und noch einigen anderen Features ausgestattet, die ich im Folgenden beschreiben will – Detailinfos können und sollten aber auf jeden Fall noch auf der Herstellerseite nachgelesen werden. Er richtet sich in erster Linie an professionelle Reportage-Fotografen, die mit zwei Spiegelreflex-Bodys unterwegs sind – i. d. R. ein lichtstarkes Weitwinkel und ein lichtstarkes Tele-Objektiv.

Falls in der Leserschaft Fragen zum Test offen sind – jederzeit gern.

Kurzfassung für Überflieger
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Für Leute, die keine langen Testberichte lesen wollen: Der DHP lohnt sich definitiv, wenn man häufig mit zwei Kameras unterwegs ist und schon gemerkt hat, wie belastend das für den Rücken sein kann. Die Möglichkeit, aus einem Doppelgurt zwei Einzelgurte zu machen, ist für mich ein großer Pluspunkt – bedeutet für mich aber auch, dass es keine Notwendigkeit gibt, zwei Einzelgurte zu kaufen, wenn man stattdessen auch den Doppelgurt nehmen kann. Die Rückenentlastung und der Shock-Absorber sind meiner Ansicht nach OK, aber noch verbesserungwürdig für künftige Versionen. Das System ist aber ganz eindeutig künftig Bestandteil meiner Standard-Ausrüstung.

Testbedingungen und Ausrüstung

Ich hatte den DHP bei mehreren Konzerten im Kurz- und einer 5-tägigen Insentive-Reise auf Kreta im Dauer-Einsatz – immer mit zwei

Kameras.
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Für Konzerte in kleineren Locations habe ich auf der einen Kamera ein 50 mm/1.4 und auf der zweiten ein 17-55mm/2.8 gehabt, also eine Kamera für Safe-Shots und eine für potentiell künstlerisch-wertfolle Aufnahmen. Bei größeren Hallen war auf der einen Kamera das 70-200mm/2.8 und auf der anderen das 17-55mm/2.8. Für meine entspannten HH-Sounds-Einsätze habe ich entweder ein 35mm/1.8 oder das 50 mm/1.4 an der einen Kamera, und das 85 mm/1.4 am zweiten Body.

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Für die Kreta-Reportage habe ich Kamera Nummer 1 mit einem 18-200mm/3.5-5.6 (oder so) als Butter-und-Brot-Optik für Sonnensituationen bestückt (für Feiglinge wie mich noch einen SB-900 aufgesetzt), Kamera Nummer 2 meist mit dem 17-55/2.8 – ist zwar eine Brennweiten-Doppelung, erspart aber das Objektivwechseln beispielsweise für Verkaufssituationen in schattigen Seitengassen. Im Shootsac dabei dann noch der Objektivpark: 35mm/1.8, 50 mm/1.4, 85mm/1.4, 70-200/2.8, 10.5/2.8, SB-900, Ersatzakkus, Fernauslöser, Putztücher, Wasserflasche – insgesamt bummelig 20 KG Dauergepäck.

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Und nachdem der offizielle Arbeitsteil vorbei war, hab ich dann noch ein paar Tage entspannt weitergemacht – dann mit nur einem Gurt aus dem System, nur einem Body in der Spar-Ausrüstungsvariante: 18-200, 50 mm/1.4 sowie mein heiß geliebtes 10.5/2.8.

Anlegen des Gurtes

Ein bisschen Übung braucht man, wenn man den Gurt mit angeschraubten Kameras anlegen will, und man darf keine Angst davor haben, dass die Kameras leicht gegeneinander stoßen, das passiert nämlich unweigerlich bei größeren angeschraubten Optiken oder Kameras mit extra Batteriegriff. Auch sollte man vorher Verdrehungen beseitigen, aber nach zwei Tagen Übung ist der Bewegungsablauf drin.

Für den kurzen Transport beispielsweise vom Hotelzimmer zum Auto habe ich nach ein paar Tagen das korrekte Anlegen sein lassen und habe mir die beiden Kameras mit dem Verbindungs-Klettverschluss über die Schulter gehängt. Hier bleibt noch zu prüfen, ob der das wirklich auch stabil für alle Situationen macht, oder ob das Unsicherheiten birgt.

Das einzige Manko ist die Klettverbindung, die die beiden Gurte zusammenhält – für ein angenehmes Tragegefühl hätte ich sie gern enger eingestellt, aber das ist beim verwendeten Klett leider nicht möglich – gefühlt haben die beiden Einzelgurte zuviel Spiel an meinem – nicht schmächtigen, aber auch nicht muskulösen Rücken. Wenn der “Gegenklett” auf beiden Seiten länger sein würde, wäre das Problem behoben.

Verbindung zwischen Gurt und Kamera (und Manfrotto-Leiden)

Die Verbindung zwischen Kamera und Gurtsystem erfolgt über das 1/4-Zoll-Stativ-Gewinde des Bodys. Bei der alten Version des Gurtes konnte man entweder das Sun-Sniper-eigene Schraubsystem oder beispielsweise die Manfrotto-Platten nehmen – was ich aus eigener schmerzlicher Erfahrung allerdings absolut nicht empfehlen kann – mir ist der Ring einer Platte (mit angeschraubter Kamera) beim Laufen abgebrochen – was die Kamera zu einem Service-Fall machte.

Die neue, kugelgelagerte Version ist nicht austauschbar, macht aber einen stabilen Eindruck und ist genau für den Zweck gemacht. Nach meiner leidvollen Erfahrung habe ich mich vom Wunsch verabschiedet, die Manfrotto-Platten für alles nutzen zu wollen und schraube jetzt häufiger das Tragesystem ab und dafür die Manfrotto-Platten drauf – geht auch, und ist um einiges sicherer.

Gurt in Kombination mit Taschen und Rucksäcken

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Ein wirkliches “Killerfeature”: Der Gurt ist problemlos verwendbar, wenn man zusätzlich Rucksack oder Umhängetaschen nutzt. Meine derzeitige Lieblings-“Bereitschaftstasche”, in der ich nur Objektive, Blitze und Zubehör wie Akkus, Kabel etc. für den akuten Zugriff aufbewahre, ist der Shootsac, der sich sehr gut mit dem Gurtsystem kombinieren läßt: Über dem Hintern die Tasche mit den Objektiven, die beiden Kameras rechts und links in Hüfthöhe. In dieser Kombination ist es beispielsweise sicher und für alle Seiten angenehm möglich, durch eine Konzert-Menschenmenge oder einen belebten Marktplatz mit voller Ausrüstung zu spazieren, ohne zu sehr nach SEK-Einheit auszusehen. Hier gibt der Diebstahlschutz-Draht auch psychologisch noch die Sicherheit, dass einem niemand die Kamera einfach wegreißen kann.

Zwei DSLR und eine Kompakte

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Es ist möglich, eine dritte Kompaktkamera vor die Brust zu schnallen, sodass man drei Kameras griffbereit hat – das habe ich einen Tag lang ausprobiert, aber bei mir ist die Kompakte doch eher was für die Tasche – auch psychologisch (s. u.) glaube ich, dass die beiden Kameras in Hüfthöhe effektiver zu nutzen sind. Dennoch: Was für mich nicht funktioniert, kann für andere einen Nutzwert haben, die Möglichkeit zu haben ist definitiv gut.

Gurt im Einsatz

Das wird wohl der kürzeste Abschnitt – das System macht genau das, was es verspricht: Man hat zwei Kameras zur Verfügung und kann zwischen ihnen ohne nachzudenken hin- und herwechseln. Bei Nichtgebrauch liegen die Kameras seitlich an der Hüfte, oder über dem Po – je nachdem, wie lang man den jeweiligen Gurt eingestellt hat. Auch ein mehrstündiger Einsatz ist schmerzfrei möglich – wenngleich: 20 Kg Gepäck merkt man am Abend immer.

Beim zügigen Gehen oder Rennen schwingen die Kameras, sodass man sich schnell eine Laufhaltung mit den Daumen am Kamera-Gurt-Verbindungsstück in Hüfthöhe angewöhnt – und damit ist dann Rennen problemlos möglich.

Psychologie

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Speziell beim Kreta-Einsatz habe ich mal wieder ganz deutlich gemerkt, wie sehr es helfen kann, wenn die Kamera nicht omnipräsent

vor dem Bauch oder in der Hand ist. Mit fotoscheuen Menschen kann man erst scherzen, dann blitzschnell Fotos machen. Wie auf den Fotos erkennbar – mit Sakko bzw. Anzug kann man die Kameras fast verschwinden lassen. Das bedeutet für Vorbesichtigungen oder (als Selbstständiger) für Geschäftsgespräche kompetent und ansprechbar sein, aber ggf. gleich schon Location-Shots u. ä. erledigen, ohne als Fachidiot zu wirken. Und man kann blitzschnell die Rollen wechseln, was unbewusst von den Leuten verstanden wird: Kamera ist an der Hüfte – ich rede mit dem Menschen. Kamera kommt nach oben – der Fotograf ist da.

Verbesserungsmöglichkeiten für künftige Versionen

Verbesserungswürdig sind weiterhin (wie auch beim “Steel”) die Schulterpolster, die meiner Ansicht nach einerseits für die Gewichtsverteilung noch breiter und für den Tragekomfort mit einer rauheren Oberfläche versehen werden müssten. Leider verrutschen die Schulterpolster bei Bewegungsabläufen mit Wechsel von Sitzen zu stehen noch zu häufig. Und der Shock-Absorber ist für mein Laienverständnis nicht für schwere DSLRs konzipiert, mit kleinen Optiken absorbiert der Gurt mehr als mit den großen Standard-Optiken – ehrlicherweise merkt man aber beides nicht so wirklich bei bummelig 15 Kilo Fotoausrüstung.

Das allerdings ist Jammern auf hohem Niveau – ich denke, wer einmal die Alternative zum Standard-Kameragurt ausprobiert hat, will nicht wieder zurück.

Ich bin häufiger mit EB-Kamerateams unterwegs, und die Taschen, die die Ton-Assis tragen, haben ein Schultersystem, wie es mir vorschwebt. Da die Schulterpads beim DHP auswechselbar sind, wäre hier evtl. eine Art Entlastungsweste als Addon denkbar – hallo Peter und co? (Und kann mal bitte jemand die Marke nachreichen, hab es auf die Schnelle nicht gefunden…

Fazit

Ich hatte es ja oben schon im Schnellleser-Fazit vorweggenommen: Das System ist inzwischen bei mir in die Standard-Ausrüstung implementiert und ich möchte nie wieder ohne fotografieren. Die verbesserungswürdigen Kleinigkeiten sind keine Showstopper und lassen Raum nach oben. Für mich definitiv eine Empfehlung für alle Zwei-Kamera-Nutzer.

Transparenz-Hinweis: Der Gurt wurde mir kostenfrei zum Testen für einen Zeitraum von vier Wochen zur Verfügung gestellt, weitere Absprachen, Honorare etc. gab es nicht.

UPDATE: Die Firma Sunbounce hat mir eben gemailt, dass ich den Gurt behalten kann – von daher ein kleines Honorar für den Aufwand – vielen Dank!

Die Fotos zur Bebilderung hat Philipp Szyza bei der Verleihung des Deutschen Radiopreises gemacht – merci! (Ja, ich war nicht beim Friseur, und ja, ich glänze… es war harte Arbeit ;-)) – Und auf dem einen Selbstporträt ist noch DJ Tobi zu sehen – Gruß nach Hannover!


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7 Antworten zu “Test Gurtsystem Sun-Sniper Double Plus Harness”

  1. 10 10 2010
    Tweets that mention The Maastrix » Test Gurtsystem Sun-Sniper Double Plus Harness -- Topsy.com (02:01:31) :

    […] This post was mentioned on Twitter by Herr Wafzig, Marco Maas. Marco Maas said: Gebloggt: Sun-Sniper Double-Plus Harness im Test #fotografie #gurtsystem #test – gern drauf hinweisen, viel Text ;-) http://ht.ly/2R7EM […]

  2. 11 10 2010
    Andy (12:13:07) :

    Super.
    Werde ich bei Dir mal Probetragen müssen…;-)

  3. 19 10 2010
    fotopunk (06:13:03) :

    hi,
    danke für die detaillierte review !

    ein tipp: ich denke, dass die haken für die compactkamera sehr nützlich sind, um zb einen schreibblock oder ein diktiergerät an zu hängen. für demos kann man dort auch eine klarsichthülle mit presseausweis befestigen.

    lg micha

  4. 6 11 2010
    c-v (01:44:24) :

    | (Und kann mal bitte jemand die Marke nachreichen, hab es auf die Schnelle
    | nicht gefunden…

    Porta Brace

  5. 14 02 2011
    Jens (20:18:40) :

    Diese Gurte sind einfach nur peinlich und sehen echt scheisse aus !

  6. 16 02 2011
    marco (14:57:39) :

    schonen den rücken und ermöglichen ein angenehmeres arbeiten, speziell, wenn man zwei kameras hat. aussehen ist ja höchst subjektiv, ich find sie weder häßlich, noch peinlich.

  7. 5 07 2011
    The Maastrix » Tragesysteme im Test – DigitalPhoto (18:47:40) :

    […] erzähle ich etwas zum California SunSniper Double Plus Harness, den ich in diesem Artikel auch schon ausführlich beschrieben habe. Bookmark to: Hide […]

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