Wolkenmusik – Google Music in Deutschland

13 06 2011

Das Web-Interface
(Achtung, etwas länger, etwas nerdy, filed under: Weil es geht)

Pünktlich zur iCloud-Bekanntgabe bei der letzten Apple-Keynote habe ich meine Google Music Einladung erhalten – und heute endlich auch Google Music auf meinem Android-Handy zum Laufen bekommen. Im Folgenden beschreibe ich für alle die, die nicht auf Honeycomb warten wollen einmal das dafür notwendige Prozedere und meinen ersten Eindruck.

Einladung für die Beta erhalten – Proxy-Hürde:

Den Weg habe ich in meinem Google-Voice-Beitrag bereits beschrieben – mittels Tunnelblick und Ace-VPN (nach den letzten “in ihrem Land nicht verfügbar”-Erlebnissen inzwischen ein Jahresabo) die Einladungsseite besuchen und abwarten. Ein kostenfreier Weg mit dem Tool “Free Hide IP” ist hier beschrieben. Bei mir lagen zwischen Einladungs-Anforderung am 10. Mai bis zur Freischaltung drei Wochen.

Google Music Manager
Google Music Manager
Zur “Musik-Befüllung” ist man aufgefordert, den “Google Music Manager” zu installieren – der sich in den Systemeinstellungen registriert und frei definierbare Ordner überwacht (standardmäßig den iTunes-Musikordner, Netzlaufwerke sind durchsuchbar) und ggf. neu dorthin gelegte Dateien in die Cloud verfrachtet. Den Manager habe ich auf allen meinen Rechnern installiert (irgendwo habe ich gelesen, dass das Limit bei 8 Geräten pro Google-Account liegt), sodass ich mich an sich nicht drum kümmern muss, von welchem Rechner ich was gekauft bzw. heruntergeladen habe. Wav-Dateien werden ignoriert, ansonsten habe ich nur MP3-Dateien, es sollen aber aac, flac und wma-Formate unterstützt werden. Nachteil: Meine Musik-Bibliothek ist “überschaubar” – d. h. ich habe jetzt insgesamt knapp 9.000 Stücke und füge nur ausgewählte Alben zu, bei großen Bibliotheken muss man aufpassen und einzelne Ordner freigeben, denn der Manager lädt rigoros alles im angegebenen Ordner hoch (leider(?) auch Podcasts, außerdem ist ein Vorhören in der Software nicht möglich – es ist ein reiner Upload-Sklave. Alternative Upload-Wege sind mir nicht bekannt – bitte gern Hinweise.

Web-Interface
Titel editieren in Google Music
Oberfläche und Bedienung von Google Music im Browser überzeugt – es ist ein schneller browserbasierter Abspieler, in dem man auch Datei-Informationen editieren, Stücke bewerten und (intelligente) Wiedergabelisten erstellen kann. Eine Download- bzw. eine Lösch-Funktion oder eine Share-Funktion von Stücken habe ich in der Beta-Anwendung nicht finden können (mal abgesehen davon, dass ich Alben auf mein Android ziehen kann). Es gibt auch (bisher) keinen Shop (was wohl eine Rechte-Sache ist), sodass es verständlicherweise ein reiner Upload-Dienst ist, der noch nicht mit bisherigen Käufen abgeglichen und ggf. freigeschaltet wird. Das ist allerdings für mich auch kein Problem, weil ich meine Musik an sich ausschließlich über Amazon und iTunes beziehe – und einen Abspieler ohne Shop-Anbindung und Empfehlungen eher positiv wahrnehme. In der Beta-Phase sind nach 20.000 Songs offiziell Schluss mit dem Upload – ich werde ggf. berichten ;-)

iPad: Look and Feel

Da Google Music ja eine Browser-Anwendung ist, funktioniert hier alles, lediglich ist die Oberfläche nicht touch-optimiert, d. h.: Einige Bedienflächen sind etwas frickelig zu treffen, und es wirkt nicht absolut rund. Aber was mich beeindruckt hat: Der Stream bleibt auch bei einem Tab-Wechsel, beim Applikationswechsel und sogar bei einem Betätigen des Aus-Knopfes bestehen, sodass man – bei vorhandenem WLAN – einen dezenten Streaming-Begleiter immer dabei haben kann.

Android-Installation – die größte Baustelle
Android-App
Google Music auf dem

Android zum fliegen zu bringen, war die größte Hürde – Vorraussetzung ist ein Root-Zugang für das Telefon. Mein HTC Desire Z war noch nicht gerooted, ich musste also zunächst Backups erstellen und habe mich dann an dieser Anleitung (und der hier) versucht, allerdings würd ich das nur mit Grundlagen in der Shell-Bedienung und geringen Linux-Kenntnissen versuchen (das Android-SDK muss installiert sein und ADB wird genutzt) – gerade, wenn man auf (seltene) Fehler stößt und ein wenig improvisieren muss. Aber: Grundlagen reichen wirklich und kaputtmachen kann man eigentlich auch nix.

Bei der oben verlinkten Blogwache habe ich auch den Hinweis gefunden, wie ich die Länderkennung meines Telefons faken kann, um die App herunterladen zu können – mit dem Market-Enabler läßt sich eine amerikanische Provider-Kennung vortäuschen, danach kann man dann im Browser des Handys die Android-Market-URL von Google Music eingeben und im Market öffnen (über die Suche taucht das Programm nicht auf) – dann klappt die Installation.

Android-App
Android-Offline-Sync
Interessanterweise stehen auf dem Android-Gerät nicht sofort alle Google-Music-Inhalte zur Verfügung, sondern das Programm muss eine Zeitlang einen Index (oder so erstellen) – aber nach und nach trudeln alle Alben auch in der Handy-Oberfläche auf (bei mir in unter 10 Minuten). Auf dem Android-Gerät ist die Bedienung von Google Music angenehm, es lassen sich Playlists zusammenklicken, Suchen funktionieren – die Bedienung ist angehm flüssig. Erstellte Playlisten werden nach einer Weile auch auf das Web-Frontend synchronisiert (und umgekehrt), es ist möglich, sich ausgewählte Alben auch “offline” verfügbar zu machen – was im Grunde der Synchronisierung eines iPods entspricht.

Amazon-Cloud – kein wirklicher Konkurrent
Amazon Down und Google-Upload
Ich habe parallel noch einen Zugang zum Amazon Cloud Drive – allerdings nervt es mich dort tierisch, dass Einkäufe auf der deutschen Amazon-Seite nicht automatisch ins Cloud-Drive synchronisiert, ich will die knapp bemessenen 5 GB Platz dort aber nicht verschwenden, daher nutze ich den Player für Musik kaum, zumal er auch noch sperriger in der Bedienung ist.

iCloud

Die muss ich mir jetzt als nächstes mal ansehen – allerdings gefiel mir iTunes noch nie, von daher bin ich über die Alternative von Google mehr als glücklich und würde vermutlich eher da bleiben.

Amazon-Cloud-Check

Was mich bei der Amazon-Cloud nervt: Einkäufe, die ich über Amazon getätigt habe, tauchen nicht in meinem Cloud-Drive auf.

Fazit
Mein Desktop
Google Music hat noch einen eingeschränkten Funktionsumfang, der Manager (bzw., dass man einen braucht) ist in der Bedienung noch etwas sperrig, aber mein Musikkonsum hat sich bereits gewandelt – anstatt zu sehen, welche Musik ich gerade am aktuellen Gerät habe, rufe ich ein weiteres Tab im Browser auf, zeige Kollegen neue Stücke an deren Rechner, am Ipad oder (seit heute Nacht) auch am Handy. Meine Musik ist zentral verfügbar. Empfehlungen und einen Shop vermisse ich nicht, sollten aber zweifelsfrei zügig implementiert werden. Einfaches Löschen und Sharen von Inhalten wären wünschenswert, vermisse ich aber im täglichen Leben (noch) nicht. Insgesamt muss ich sagen: Endlich. Diesen Umfang eines Web-Speichers und Players haben wir uns mal zu Zeiten des ersten Ipods in ner Lübecker WG zusammengesponnen und -gewünscht, jetzt ist sowas endlich da. Kostenmäßig ist noch nichts bekannt, aber nach den Preisvorstellungen von Amazon und Apple würde es mich wundern, wenn der Service allzuviel kosten würde.

Und klar: Schallplatten sind sowieso noch viel toller und so ;-)


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